Sonstiges - Mutterlinie

Informationen zum Begriff "Mutterlinie"

Bei der matrilinearen Abstammung handelt es sich um die direkte, ununterbrochene Mutter-Tochter-Linie eines Menschen. Man nennt sie auch Mutterlinie oder Mutterstamm. Im Grunde genommen ist die Mutterlinie die einzig sichere Linie in einer Ahnentafel.

"Mater semper certa" - die Mutter ist immer sicher: diese Aussage gilt heutzutage mit all den medizinischen Fortpflanzungstechniken nicht mehr uneingeschränkt. Eventuell kam es auch in früheren Jahrhunderten vor, dass eine Frau sich als Mutter eines Kindes ausgab, das eigentlich eine andere Frau zur Welt gebracht hatte - zum Beispiel um die eigene Tochter zu schützen, die unehelich schwanger geworden war. In der Regel kann man aber davon ausgehen, dass die Mutterschaft gesichert ist, andere Vermutungen wären höchst spekulativ und kaum beweisbar.

Besonders interessant ist die Mutterlinie auch im Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten, die praktisch nur in der mütterlichen Linie vererbt werden - wie zum Beispiel die Bluterkrankheit (Hämophilie A und B). Diese Erkrankung wird X-chromosomal-rezessiv vererbt. Beispiel: Eine Trägerin (Konduktorin) des fehlerhaften Gens für die Hämophilie, bekommt mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % Söhne, die Bluter sind. Bekommt diese Konduktorin Töchter, sind diese wiederum zu 50% Konduktorinnen. Die Söhne dieser Töchter können ebenfalls Bluter sein. Männliche Bluter vererben das Gen nur an ihre Töchter, die dann in jedem Fall Konduktorinnen sind.

Die Mutterlinie zu erforschen ist relativ schwierig, weil in den Kirchenbüchern oft nur wenige Angaben vorhanden sind. Nicht immer sind bei einer Hochzeit die Brauteltern vermerkt, so dass man hier schnell an seine Grenzen stoßen kann. Je weiter man in der Forschung zurückgeht, desto schwieriger wird es. Im 16. Jahrhundert werden oft nur noch die Vornamen einer Braut erwähnt und nur wenn man Glück hat, ist eventuell der Brautvater vermerkt.

Eigene Mutter-Tochter-Linie

Meine eigene Mutterlinie ist bis ins 18. Jahrhundert erforscht. Die Forschungen sind hier aber noch nicht abgeschlossen.

Die Ururururgroßmutter: Marie Christiane (1790 - 1859)

Marie Christiane wurde 1790 in Königsee geboren. Königsee gehört heute zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Thüringen. Ihr Nachname ist unbekannt. Sie heiratete den sieben Jahre älteren Johann Nicol Schöps (1783-1849). Im Alter von 31 Jahren brachte sie die gemeinsame Tochter Johanne Dora Auguste zur Welt. Ob Marie Christiane noch weitere Kinder hatte, ist unbekannt. Sie starb 1859 in Königsee - sie wurde 69 Jahre alt.

Die Urururgroßmutter: Johanne Dora Auguste Schöps (1822 - 1902)

Johanne Dora Auguste wurde 1822 in Königsee geboren. Im Alter von 27 Jahren brachte sie ihre uneheliche Tochter Auguste zur Welt. Später heiratete sie den zwei Jahre jüngeren Christian Gottfried Wilhelm (1824-1893). Ob er der Vater ihres Kindes war, ist ungewiss. Auch ob sie noch weitere Kinder hatte, ist unbekannt. Johanne Dora Auguste wurde fast 80 Jahre alt, sie starb 1902 in Königsee.

Die Ururgroßmutter: Auguste Schöps (1850 - 1925)

Auguste Schöps Auguste wurde 1850 in Königsee geboren. Sie heiratete den aus Rudolstadt stammenden und rund drei Jahre jüngeren Reinhold Gaßmann (1853-1905).

Die beiden hatten zwei Töchter: Tochter Frieda lebte später in Wiesbaden und blieb unverheiratet und kinderlos - mehr ist über sie nicht bekannt. Tochter Dorothea Luise Ottilie wurde 1887 geboren. Augustes Mann wurde nur 51 Jahre alt, sie selbst starb 1925, im Alter von 75 Jahren.

Das nebenstehende Bild ist vermutlich die älteste Fotografie, die sich in unserem Familienbesitz befindet. Auguste ist darauf als junge Frau zu sehen, also wurde es wahrscheinlich um 1870 aufgenommen.



Die Urgroßmutter: Dorothea Luise Ottilie Gaßmann (1887 - 1946)

Ottilie Paul geb. Gaßmann mit ihren Enkelinnen Dorothea Luise Ottilie wurde 1887 geboren. Ihr Rufname war Ottilie. Im Alter von 16 Jahren wurde sie schwanger, mit siebzehn brachte sie ihren ersten Sohn Georg zur Welt. Der Vater ihres Sohnes, der aus Zeitz stammende und fünf Jahre ältere Karl Franz Paul, fuhr damals zur See und verbrachte wohl einige Zeit in China. Eine Hochzeit war jedenfalls nicht möglich. Als ihr Sohn 4 Monate alt war, starb Ottilies Vater.

Nach Karls Rückkehr wurde geheiratet, der gemeinsame Sohn Georg, genannt Schorsch, war inzwischen schon zweieinhalb Jahre alt. Drei Monate nach der Hochzeit kam Tochter Herta Berta Elsa, genannt Hertel, zur Welt. 1909 wurde die zweite Tochter, Johanna Gertrud Ottilie, genannt Trudel, geboren. Im Alter von 21 Jahren hatte Ottilie bereits drei Kinder.

1913 und 1918 bekam sie noch zwei Söhne, die aber beide im Säuglingsalter starben. Ottilie lebte mit ihrer Familie in Leipzig. Eineinhalb Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes starb sie selbst - Ottilie wurde nur 58 Jahre alt.

Ottilies Tochter Gertrud, meine Oma, hat mir viel von ihrer Mutter bzw. ihren Eltern erzählt. Das Familienleben war demnach stets von großer Harmonie geprägt.

Die Großmutter: Johanna Gertrud Ottilie (1909 - 1997)

Gertrud Schellhas, verw. Schreier, geb. Paul mit ihren Töchtern Johanna Gertrud Ottilie, genannt Trudel, wurde 1909 in Leipzig geboren. Im Alter von 21 Jahren heiratete sie den aus Plauen stammenden Elektromonteur Walter Richard Schreier. Kurz nach der Hochzeit kam ihre erste Tochter zur Welt, die zweite Tochter, Karin Gertrud, meine Mutter, wurde einige Jahre später geboren.

Trudel lebte mit ihrer Familie zunächst in Leipzig, zog aber später nach Brandis, wo sie im Lebensmittelgeschäft der Schwiegereltern arbeitete. Ihr Mann Walter wurde Soldat und gilt seit der Schlacht um Stalingrad als vermisst. Jahre später wurde er für tot erklärt. Nach Kriegsende starben auch Trudels Eltern kurz hintereinander.

Während der Nachkriegszeit arbeitete Trudel als Haushaltshilfe bei russischen Besatzern und hielt ihre Familie mit Näharbeiten über Wasser. Mit Hilfspaketen wurde sie unterstützt von Armin Schellhas, einem Freund ihres verstorbenen Mannes. Armin war gegen Kriegsende ins Gefangenenlager in Heilbronn-Böckingen gekommen und beschloss anschließend, im Westen zu bleiben.

1950 zog Trudel mit ihrer jüngsten Tochter nach Heilbronn und heiratete den ursprünglich aus Bad Salzungen stammenden Armin Schellhas. 1974, wenige Monate vor der anstehenden Silberhochzeit, starb Armin. Trudel selbst starb 1997 in Heilbronn, kurz nach ihrem 88. Geburtstag.

Als Kind habe ich viel Zeit mit meiner Oma verbracht. Für Trudel war ihre Familie stets das Wichtigste in ihrem Leben.

Die Mutter: Karin Gertrud Schreier

Karin Karin Gertrud, genannt Karin, wurde in Leipzig geboren. Sie wuchs in Brandis bei Leipzig auf und zog später mit ihrer Mutter nach Heilbronn. Hier absolvierte sie zunächst eine Lehre als Einzelhandelskauffrau. Im Anschluss daran ließ sie sich noch zur Dekorateurin ausbilden.

Später heiratete Karin den technischen Kaufmann Wolf Willi Böhringer aus Heilbronn. Karin und Wolf haben zwei Töchter, die jüngere bin ich selbst.

Tanja Cordula Böhringer

Geboren und aufgewachsen bin ich in Heilbronn. Seit über 20 Jahren bin ich mit dem aus Heilbronn stammenden Klaus-Dieter Schmidt verheiratet. Bei der Hochzeit habe ich meinen Geburtsnamen behalten - unser Ehename lautet Böhringer. Wir haben drei Töchter. Neben der Ahnenforschung interessiere ich mich vor allem für schwierige Rätsel und Webdesign.

tanja-boehringer.de Valides HTML Valides CSS