Familienname Böhringer

Versuch einer Deutung: Schreibweisen, Herkunft und heutige Verbreitung des Namens.

Varianten

Vom Familiennamen Böhringer existieren mehrere Varianten. Unsere Vorfahren im 16. und 17. Jahrhundert schrieben sich meist "Beringer", manchmal findet sich hier aber auch schon die Schreibweise mit "ö". Ab dem 18. Jahrhundert überwiegt dann die Variante "Böringer". Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts taucht dann das "h" im Namen auf. Im Jahr 1874 wurde mit der Einführung der Standesämter die Schreibweise "Böhringer" verbindlich festgelegt. Aber es gibt noch eine 4. Variante: unsere nach Amerika und Australien ausgewanderten Verwandten nennen sich "Boehringer", da es im Englischen kein "ö" gibt.

Übersicht:


Herkunft des Namens laut Lexikon

Das vom Dudenverlag herausgegebene Lexikon "Familiennamen - Herkunft und Bedeutung" sagt zum Namen Böhringer folgendes:


Die Orte Böhringen, Böhringsweiler, Behringen, Behringersdorf usw.

Entstehungsgeschichte der Ortsnamen

Bei einigen Städten gibt es Hinweise auf die Entstehungsgeschichte des Ortsnamens. Hier eine Übersicht:

Böhringen, Ortsteil von Dietingen im Kreis Rottweil

"500: Unsere Siedlungen, als typische alemannische Wohnplätze und der Namensendung "-ingen" werden nach dem Sippenführer benannt. Die Namen Dietingen, Irslingen, Böhringen und Gösslingen entstehen. ...
1270: Erste urkundliche Nennung von "Behringen", ohne genaue Datumsangabe, bei der der Ulmer Pfarrer Diethelm von Ramstein dem Kloster Rottenmünster das Eigentumsrecht über eine Wiese zu Böhringen vermacht." Quelle

Böhringen, Stadtteil von Radolfzell am Bodensee

"Das im Jahr 1243 erstmals urkundlich erwähnte Dorf Böhringen ("Beringen", d.h. Wohnsitz der Angehörigen des Sippen- oder Ortsoberhauptes Bero) war vom 8. Jahrhundert n.Chr. bis 1421 im Besitz des Klosters Reichenau und ging in jenem Jahr pfandweise, 1538 endgültig, an die Stadt Radolfzell über." Quelle

Böhringen, Ortsteil von Römerstein, Schwäbische Alb

"Unser Ortsname Böhringen hängt wohl mit den 2 Flurnamen "Boreswinkel" und "Borwinkel" zusammen, die es in unserer Markung gibt. Man darf davon ausgehen, dass der Fronherr oder Sippenführer von dem Familienverband, der einst unsere Markung besiedelte, "Bor", "Bore" oder "Bores" geheißen hat. Seine Großfamilie wurde ableitend davon vermutlich die "Böringer" genannt." Quelle: Antwort auf eine Anfrage meinerseits beim Bürgermeisteramt Böhringen.

Böhringsweiler im Mainhardter Wald

Rund 20 Kilometer von Brettach entfernt liegt der kleine Ort Böhringsweiler. Er gehört heute zur Gemeinde Großerlach und wurde im Jahr 1251 erstmals urkundlich erwähnt. Auf einer Karte des Bleau-Atlas aus dem Jahr 1635 lautet die Schreibweise: Berings Weyller. Woher der Name kommt, kann ich momentan noch nicht sagen, die Forschungen in dieser Richtung sind noch nicht abgeschlossen.

Behringersdorf, Ortsteil von Schwaig bei Nürnberg

"Behringersdorf wurde urkundlich erstmals 1275 in einem bayerischen Salbuch erwähnt. Die Ortsgründung lag vermutlich wesentlich weiter zurück. Der Landstrich gehörte damals zum bayrischen Nordgau. Der Ortsname leitet sich wahrscheinlich von einem Reichsritter namens "Beringar" ab. In historischen Schriftstücken findet man die verschiedensten Schreibweisen für den Ortsnamen wie: "Pergersdorf, Perngersdorff, Bergnersdorf"." Quelle

Beringen in Belgien

"Der Name Beringen stammt aus dem 10. Jahrhundert. Damals war Beringen eine Stadt, die von der Abtei Corbie im Departement Somme abhängig war. Der Name ist abgeleitet von Bero, dem ersten Einwohner fränkischen Ursprungs, und wurde ursprünglich Beringaheim, Behringhen, Beeringen und schliesslich Beringen geschrieben. Der Herr von Beringen Adelard de Corbie war der Vetter 4. Grades von Karl dem Grossen." Quelle

Beringen in der Schweiz

"Beringen war wahrscheinlich schon zur Alemannenzeit bewohnt. Es wird erzählt, der Stammvater habe "Bero" geheissen." Quelle

Beringe in den Niederlanden

"Die Geschichte von Beringe, mit 2000 Einwohner nach Panningen und Helden-Dorp der 3-größte Ort der Gemeinde, führt zurück zur Fränkischen Zeit (900 v. Chr.). Über den Ursprung des Namens Beringe gibt es verschiedene Erklärungen. So sollte den damaligen Graf von Kessel den Herrschaft über Helden haben rund 1400 n. Chr. Der Graf hatte zwei Sohnen: Panno und Bero. Diese Sohnen soll er ein Teil seiner Besitzungen nachgelassen haben . Den Teil den Bero bekommen hat, soll später Beringe genannt werden." Quelle



In vielen Fällen leitet sich der Ortsname also von einer Person ab, in einigen vermutlich ursprünglich von einem gewissen "Bero", dem althochdeutschen Wort für Bär. Bero war auch eine Kurzform zum Vornamen Berengar bzw. Bernger, der ebenfalls aus dem Althochdeutschen kommt und "speertragender Bär" bedeutet.



Von Berengar zu Beringer

Berengar war im Mittelalter ein gebräuchlicher Vorname. Zunächst überwiegt die Schreibweise Berengar, ab und an findet man auch Bernger, ab dem 12. Jh. dann häufig Beringer. Ebenso gibt es latinisierte Formen wie Berengarius, Berengerus oder Berengerius.

Einige Beispiele:

Details zu den oben genannten Personen findet man auf der Seite
Historische Persönlichkeiten mit dem Vornamen Berengar / Beringer.



Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Familienname Beringer von dem damals gebräuchlichen Vornamen Beringer ableitet, ist somit ziemlich hoch.
Ab welchem Zeitpunkt Beringer als Nachname verwendet wurde ist unklar. In Deutschland sind Familiennamen seit dem 13. bzw. 14. Jahrhundert allgemein üblich.



Die Wörter "Bering" und "beringen" im Grimmschen Wörterbuch

BERING, m. circulus, circuitus: im bering, umkreis der stadt.

BERINGEN,
1) annulo ornare, mit einem ring ausstatten
2) cingere, circumsedere, umringen, mhd. starkformig

Bering nennt man auch die Ringmauer um eine Burg. Ein Beringer könnte also auch einer aus dem Umkreis einer Stadt oder Burg sein. Auch ein Zusammenhang zum Verb "beringen" wäre denkbar.



Verbreitung heute

Im aktuellen Telefonbuch findet man 1085 Einträge zum Namen Böhringer. Die Karten unten zeigen die deutschlandweite Verbreitung des Namens. Die Daten, auf denen die Karten basieren, stammen aus dem Jahr 2002, damals gab es noch 1192 Telefonanschlüsse zum Familiennamen Böhringer.

Verbreitungskarte: absolute Verbreitung des Familiennamens Böhringer in Deutschland
Verbreitungskarte: absolute Verbreitung des Familiennamens Böhringer in Deutschland


Verbreitungskarte: relative Verbreitung des Familiennamens Böhringer in Deutschland
Verbreitungskarte: relative Verbreitung des Nachnamens Böhringer in Deutschland

Da die Verbreitung des Namens im Großraum Stuttgart, Göppingen, Laupheim und Lörrach besonders hoch ist, kann man hier von einem Zusammenhang zu den oben genannten Ortsnamen wie "Böhringen" ausgehen. Im Raum Heilbronn und Hohenlohe tritt der Name ebenso sehr häufig auf, allerdings gibt es hier keine entsprechnden Ortsnamen, mit Ausnahme von Böhringsweiler. Dieser Ort besteht allerdings nur aus ein paar Häusern, dass der Name hier seinen Ursprung hat, halte ich eher für unwahrscheinlich.

Da aber, wie oben bereits erwähnt, die Ortsnamen sich meist ebenfalls vom Vornamen Beringer ableiten, ist der Ursprung des Namens wohl eher hier zu suchen.

tanja-boehringer.de Valides HTML Valides CSS